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Sevilla - Merida

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Via de la Plata

Teil 1: Sevilla - Merida

Mit Lufthansa fliege ich am 31. März 2007 von Frankfurt nach Barcelona, um von dort mit einer spanischen Fluggesellschaft, deren Namen ich besser nicht nenne, nach Sevilla weiter zu reisen. Am 1. April ist Palmsonntag und ich bleibe bis Montag in Sevilla, um wenigstens eine Prozession in der semana santa zu sehen. Das ganze ist sehr eindrucksvoll. Warum die Kapelle aber „blowin in the wind” von Bob Dylan spielt weiß ich nicht.






1. Etappe: Sevilla - Guillena

Gegen 7.30 Uhr breche ich auf. Vorher war es nicht sinnvoll, es war einfach zu dunkel. Anfangs regnet es etwas, aber es bleibt erträglich. Für die Jahreszeit - Anfang April - ist es bitterkalt. Die Bachdurchquerung nach Santiponce erspare ich mir und laufe dafür zuerst an der Nationalstraße und dann an der Landstraße entlang. Ich habe das Gefühl, dass die Autofahrer im Süden Spaniens wesentlich pilgerfreundlicher sind. Von meinem Hotel in Sevilla nach Guillena sind es ca. 25 km. Mit meiner Zeit von etwas mehr als sechs Stunden bin ich äußerst zufrieden. Das einzige Hotel in Guillena ist ausgebucht. Auf dem Rathaus ist man sehr kooperativ. So werde ich in der Notunterkunft (Duschraum auf dem Sportgelände) untergebracht. Wenigstens ein Dach über dem Kopf! Auch Kurt - Vietnamveteran aus Kalifornien - wird hier untergebracht. Er meint trocken: So schlecht war ich in Vietnam nie untergebracht.



2. Etappe: Guillena - Castilblanco de los Arroyos

Unsere Bar am Sportplatz hat frühmorgens geöffnet und wir erhalten für 1,70 € ein Frühstück. Im Gegensatz zu gestern regnet es nicht. Der Weg ist sehr schön. Wir sehen einige Meter vor uns mitten auf dem Weg ein Reh und machen die Fotoapparate startklar. Das Reh dreht sich um und entpuppt sich als recht großer wilder Hund. Plötzlich sind es drei. Ich bringe meine Teleskopstöcke in Abwehrhaltung. Aber Kurt hat eine druckluftbetriebene Fanfare dabei. Das wirkt blitzschnell! Auf meine Frage, was denn los sei, wenn das Gas leer sei, meint er locker: Dann haben wir ein Problem! Nach ca. 4,5 Stunden erreichen wir das etwa 18 km entfernte Castilblanco. In der Herberge (Preis 2,- €) liefern die Duschen heißes Wasser! Kurz nach unserer Ankunft beginnt es zu regnen, dann folgt noch ein Hagelschauer.





3. Etappe: Castilblanco de los Arroyos - Almaden de la Plata

Ab Castilblanco sind wir zu dritt; Ralf aus München ist zu uns gestoßen. Die ca 30 km lange Etappe ist wunderschön, der Anstieg kurz vor dem Etappenziel - bezeichnenderweise monte del calvario - aber brutal steil. Auf der ganzen Etappe gibt es unterwegs keine Versorgungsmöglichkeiten. Da es sehr kalt war, gab es keine Probleme, mit dem Wasservorrat auszukommen. Abends genehmigen wir uns im „Concha” das kleine schwarze iberische Schwein; wenn man das probiert hat, fragt man sich, was man eigentlich in Deutschland für gutes Schweinefleisch hält.





4. Etappe: Almaden de la Plata - El Real de la Jara

Der Weg durch die Dehesas ist wieder frei und landschaftlich ausgesprochen schön. An drei kleinen Stellen muss man ein bisschen auf die Wegmarkierung aufpassen, aber eigentlich ist das kein Problem. Die Wegkennzeichnung scheint neu zu sein. Die Herberge in El Real de la Jara ist ziemlich muffig und so beziehen wir im Casa Molina für 10,- € Quartier. Für die etwa 16 km brauchen wir 4,5 Stunden. Nachmittags steht für uns drei noch die Besichtigung der Burg auf dem Programm, abends gönnen wir uns die Prozession zum Gründonnerstag.



5. Etappe: El Real de la Jara - Monesterio

Kurt und Ralf haben Hunger und gehen zum Frühstück zurück ins Dorf zu einer Bar. Ich kann mich nicht dazu durchringen in die „falsche Richtung” zu laufen und mache mich alleine auf den ca. 20 km langen Weg nach Monesterio. Die ersten 11 km sind sehr schön: rechts Gegend und links Landschaft und sonst nichts. Dann kommt die im Führer von Raimund Joos beschriebene Autobahnbaustelle. Ich befinde mich plötzlich auf der neuen, aber noch nicht freigegebenen Autobahn. Bald werde ich von zwei bicicleta-peregrinos überholt, die genauso irritiert sind wie ich. Nach einigen Kilometern auf der Autobahn höre ich links von mir Fahrzeuggeräusche und beschließe, dass das nur die Nationalstraße sein kann. Bei erstbester Gelegenheit unterquere ich die Autobahn in einem Abwasserkanal, gehe ca. 50 m querfeldein steil bergab. Nach etwa 500 m Nationalstraße muss ich unter einer Brücke wieder auf die alte Seite meiner Autobahn. Kurz danach endlich wieder ein gelber Pfeil, der mich von der N 630 wegführt. Es fängt nun auch noch ganz schwach zu regnen an, dann folgt der lange Aufstieg zum 800 m hohen Pass Puerto de la Cruz. Ich bin 4 3/4 Stunden unterwegs und beziehe in Monesterio ein Zimmer im Hotel Moya. Kurt und Ralf trudeln kurz nach mir ebenfalls ein.



6. Etappe: Monesterio - Fuente de Cantos

Ostersamstag: Früh aufstehen, alles richten, meine Sigg-Flasche fällt mir beim Befüllen auf den Boden und hat ein Loch. Ich war bisher der Meinung, dass eine Alu-Flasche nicht kaputtgehen kann. Wir machen uns zu dritt auf die 22 km lange und landschaftlich sehr reizvolle Strecke. Kurz vor dem Ziel stellt Ralf fest, dass sein Knöchel ganz dick geschwollen ist; ich laufe langsam mit Kurt weiter in die Herberge im alten Kloster. Ralf kommt nach. Wir beziehen zu dritt ein Viererzimmer. Magdalena (Chefin) kümmert sich rührend um uns. Zur Wegbeschreibung im Joos-Führer die kleine Anmerkung: Biegen Sie nicht in die Calle Julian ein, sondern folgen der kleinen Landstraße und dem Herbergswegweiser nach links. Nach einigen hundert Metern sieht man halbrechts schon das ehemalige Kloster vor sich legen.




7. Etappe: Fuente de Cantos - Zafra

Ostersonntag: Ralf kann nicht laufen; sein Knöchel ist so dick geschwollen, dass es keinen Sinn machen würde. Ich gehe alleine mit Kurt los. Bis Puente de San Pedro ist alles ok. Wir werden dort bestaunt wie zwei Außerirdische. Dann beginnt es zu regnen. In Zafra müssen wir uns im Bahnhofsgelände querbeet über sämtliche Gleise hinweg durchschlagen. Wir laufen nur noch nach Himmelsrichtung. Meine Vermutung ist, dass ein dort abgestellter Güterzug uns die Sicht auf einen gelben Pfeil verstellt hat. Dafür erwartet uns Ralf vor der Herberge mit verschiedenen Nachrichten. Zuerst die schlechten: Die Herberge ist wegen Umbau geschlossen und in ganz Zafra ist wegen Ostern kein Zimmer mehr frei. Wir haben für die etwa 26 km zwar nur 4 h 50 min benötigt, aber auch keinen Nerv mehr, noch mindestens 13 km weiter zu laufen. Nun die gute Nachricht: Er hat mit der Hilfe eines Spaniers doch noch ein Hotel mit drei freien Einzelzimmern zum Preis von 22,- € auftreiben können.



8. Etappe: Zafra - Villafranca de los Barros

Ohne Frühstück laufe ich mit Kurt los. In Zafra hat alles noch geschlossen. Aber schon eine Stunde später finden wir mit spanischer Hilfe in Los Santos de Maimona eine offene Bar. Die Beschilderung in Los Santos erweckt in mir den Anschein, als ob man uns eine Stadtführung gönnen möchte. Bis Villafranca de los Barros sind es insgesamt etwa 21 problemlose Kilometer. Unterwegs treffen wir Martin aus dem Burgenland mit seinen drei Begleitern, die wahnsinnig schnell unterwegs sind. In Villafranca de los Barros zahlen wir 18,- € im Casa Perin für ein halbes Doppelzimmer. Zum Abendessen gönnen wir uns in einem kleinen Restaurant für 8,- € ein tolles reichhaltiges Menü mit Wein.



9. Etappe: Villafranca de los Barros - Torremejia

Wie im ausgezeichnten Führer von R. Joos beschrieben, ist die Strecke nach Torremejia mit 28 km zwar recht lang, aber nicht schwierig zu gehen. Bei trockenem Wetter kann man aber kurz vor Torremejia doch etwa 1,5 km vor dem Ziel die Piste, die hier rechts abbiegt, geradeaus und nach oben verlassen. So zeigt es übrigens auch ein Quader und ein gelber Pfeil an. Schwierig ist hier dann nur der „Aufstieg” zur Bahnbrücke. Bei Regenwetter macht dieser Weg sicher keinen Sinn (barros=Lehm!). In der Herberge zahlen wir 15,- € pro Person für ein ausgezeichnetes Zimmer und bekommen für 10,- € ein Menü, das zwar sehr edel aussah, aber einen hungrigen Pilger nicht ausreichend sättigte. Wir sind jedenfalls anschließend noch in eine Bar!



10. Etappe: Torremejia - Merida

Es sieht irgendwie ganz stark nach Regen aus und so renne ich mit meinem viel zu schweren Rucksack und meiner ebenfalls zu schweren Fotoausrüstung in 2h 50 min die 16 km nach Merida. Dort angekommen suche ich mir alleine in Busbahnhofsnähe ein kleines Hostal. Anschließend kaufe ich mir dann für 11,93 € meine Fahrkarte nach Sevilla. Nach Körper- und Kleiderpflege besichtige ich das altehrwürdige Merida mit Aquädukt, 600 m langer römischer Brücke, Diana-Tempel usw.





Rückfahrt von Merida nach Sevilla

Statt mit dem Bus hätte ich auch mit der Bahn nach Sevilla zurückfahren können; das wäre teurer gewesen und hätte länger gedauert. So komme ich nach knapp drei Stunden Fahrt wieder nach Sevilla zurück und kann unterwegs nochmals grob die Strecke an mir vorbeiziehen lassen, die ich in den letzten Tagen gelaufen bin. Ich suche mir in Sevilla ein kleines Hotel und bin ab sofort kein Pilger mehr, sondern ganz normaler Tourist.

Am Samstag fliege ich wieder mit der gleichen Gesellschaft von Sevilla nach Barcelona, um von dort mit der Lufthansa nach Frankfurt weiter zu fliegen. Leider vergisst man in Barcelona nicht nur meinen Rucksack, sondern das Gepäck aller Reisenden, die aus Sevilla ankamen. Den Ärger muss nun, obwohl völlig unschuldig, die Lufthansa ausbaden. Glücklicherweise landet mein Rucksack mit allen meinen Filmen am Sonntagabend doch noch wohlbehalten per Kurier wieder bei mir.

Vielleicht wäre es doch sinnvoller gewesen, nach bzw. von Madrid aus zu fliegen und innerspanisch den Bus zu nehmen?

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