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Via de la Plata

Teil 3: Salamanca - Santiago de Compostela

Meine dritte große Etappe auf der Via de la Plata beginnt an einem Freitagnachmittag mit dem Flug von Frankfurt/Hahn nach Madrid. Wie auch beim letzten Mal gelange ich problemlos mit der Metro in mein Hotel. Am nächsten Tag fahre ich frühmorgens mit der Renfe von Madrid-Chamartin nach Salamanca. Die Bahnfahrkarte für die Renfe habe ich mir bereits in Deutschland besorgt. Das kann unter Umständen dauern. Letztendlich hat alles geklappt.

23. Etappe: Salamanca - Calzada de Valdunciel

Ich stehe um 6.30 Uhr auf und laufe zum nahegelegenen Bahnhof Madrid-Chamartin. Dort genehmige ich mir ein desayuno completo. Pünktlich auf die Minute um 8.45 Uhr setzt sich mein Zug in Richtung Salamanca in Bewegung. Nach einigen kurzen Aufenthalten komme ich ebenso pünktlich um 11.05 Uhr an. Da ich Salamanca bereits kenne und auch weiß, in welcher Richtung ich Salamanca verlassen muss, bin ich nach dem Einkaufen von etwas zu Essen und zu Trinken gegen 11.30 Uhr wieder auf der Via de la Plata. Kurz nach dem Verlassen von Salamanca sehe ich auf dem Seitenstreifen der N 630 die erste Schlange. Sie ist tot. Es sollte auch nur noch eine weitere folgen. Die Wegfindung ist einfach; es geht nur immer geradeaus nach Norden. Nach ca. 4 Stunden und etwa 16 km komme ich in Calzada de Valdunciel an. Den Schlüssel bekommt man nicht mehr bei Elena. An der Tür zur Herberge ist aber ein guter Plan angebracht, so dass ich doch noch problemlos einen Schlüssel bekomme. Vor mir sind schon zwei spanische Radfahrer angekommen. Die Albergue ist frei. Es wird lediglich um eine Spende gebeten. Das übliche Pilgerritual: Duschen, Kleiderwaschen und eine Bar oder ein Restaurant suchen, wo man etwas essen kann. Ich gehe in ein Restaurant, das ich nicht unbedingt weiterempfehlen kann (also keine Namensnennung).

 

24. Etappe: Calzada de Valdunciel - Cubo del Vino

In der Herberge sind außer mir noch drei Spanier, zwei zu Fuß und einer per Rad. Die beiden Fußpilger stehen um 5.00 Uhr auf und gehen um 5.40 Uhr weg. Sie wollen bis kurz vor Zamora. Es ist noch stockdunkel. Das muss ich mir heute an meinem zweiten Tag nicht antun. Ich kenne meine Füße und weiß, was ich ihnen in den ersten Tagen zumuten kann. Ich starte also erst gegen 6.40 Uhr. Es geht fast die ganze Strecke nur auf der N 630. Es gibt kaum Wege abseits der relativ stark befahrenen Nationalstraße. Unglücklicherweise wird direkt neben der N 630 eine neue vierspurige Straße gebaut. Die Beschreibung in dem ansonsten guten Führer von R. Joos ist somit unbrauchbar. Das Beste ist, wenn man einfach auf der N 630 bleibt. Für Fußpilger macht das allerdings keinen Spaß. Nach ca. 4,5 Stunden und knapp 20 km komme ich dann wohlbehalten in Cubo del Vino an. Wie im Führer empfohlen gehe ich in die Casa Carmen. Ich fühle mich bei ihr gut aufgehoben. Für Unterkunft und ausführliches Essen zahle ich 20 €, was wirklich angemessen ist. Nach dem üblichen Duschen und Waschen steht wegen einer fast unerträglichen Hitze erstmal eine Siesta an. Danach begebe ich mich auf eine Ortsbesichtigung. Zu sehen gibt es nicht besonders viel. Allerdings finde ich eine neue Herberge. Carmen erzählt mir dann auch, dass wegen der neuen Herberge nicht mehr viele Pilger bei ihr vorbeikommen.

25. Etappe: Cubo del Vino - Zamora

5.40 Uhr aufstehen, 6.00 Uhr Abmarsch. Bis zur Herberge in Zamora sollen es 33 km sein, es werden dann 34,3 km. Es wird garantiert heiß, also nichts wie ganz früh weg. Gottseidank biegt die Via de la Plata kurz hinter Cubo del Vino endlich von der N 630 ab. Das Laufen wird angenehmer und abwechslungsreicher. Ich bin relativ schnell unterwegs und komme bereits gegen 13.00 Uhr in Zamora an. Leider macht die Pilgerherberge erst um 16.00 Uhr auf. Ich möchte jedoch so schnell wie möglich unter die Dusche und suche nun am Sonntag eine billige Pension. Nach etwa einstündiger Suche werde ich dann doch abseits des Weges mit dem Hostal Chiqui fündig. Am späten Nachmittag versuche ich Zamora zu besichtigen, was leider schwierig ist, weil so gut wie alles geschlossen hat. Wenigstens die Kathedrale macht um 17.00 Uhr auf und lässt mich gegen einen Eintritt von 3 € hinein. Ich bin maßlos enttäuscht. Der Versuch etwas Warmes zu bekommen scheitert, weil man in Spanien eben erst spät isst. Wenigstens ein Bäcker hat noch auf, so dass ich nicht ganz verhungern muss.





26. Etappe: Zamora - Montamarta

Mir steht eine kurze Etappe bevor. Ich stehe also spät gegen 6.30 Uhr auf und mache mich nach einem Minifrühstück um 7.15 Uhr auf den Weg. Die Via de la Plata ist hier neu ausgeschildert. Noch in Zamora in der Avenida de Galicia gibt es eine Abzweigung nach halblinks. Dadurch komme ich nicht auf die N 630 sondern auf die ZA-P 1405. Nach etwa 1,5 km gibt es auf der Straße eine nicht zu übersehende Schrift „Via de la Plata”. Also biege ich rechts ab. Hier beginnt eine Piste. Kurz darauf geht es wieder links durch eine Müllhalde, dann wieder rechts und anschließend links. Danach kommen noch einige gelbe Pfeile - immer geradeaus. An einer Pistenkreuzung gibt es keinen Pfeil mehr. Ich gehe wie in solchen Fällen üblich geradeaus. Zur Rechten sieht man das von R. Joos beschriebene Gewerbegebiet. Ich erreiche Roales del Pan auf der „falschen” Seite, biege nach rechts in den Ort ab und nach etwa 400 m zeigt wieder ein gelber Pfeil nach links. Ich bin wieder auf dem richtigen Weg und erreiche bald den Ortsausgang. Noch in Roales habe ich mal wieder eine freundliche Auseinandersetzung mit einem Hund. Meine Teleskopstöcke sind doch ausgesprochen hilfreich. Der Rest der Strecke ist landschaftlich sehr schön. Ich bin alleine und habe eine himmlische Ruhe. Kurz vor 11.30 Uhr komme ich nach 19,3 km in El Asturiano an. Das übliche Ritual: Duschen, Waschen, Essen. Gegen 16.00 Uhr riecht es merkwürdig: Gegenüber brennt gleich hinter der Tankstelle das Feld. Die Feuerwehr ist mit ihrem ersten Fahrzeug schon nach 25 Minuten vor Ort. Dagegen sind die Männer des nahegelegenen Ortes mit allen möglichen und unmöglichen Hilfsmitteln viel früher da und versuchen zu löschen. Später kommen noch zwei weitere Löschfahrzeuge und ein Hubschrauber. Der Wind steht günstig. Er weht von der Tankstelle und meiner Pension weg.

27. Etappe: Montamarta - Granja de Moreruela

6.00 Uhr Aufstehen, ein Frühstück mit cafe con leche und zwei tostadas; Abmarsch kurz nach 7.00 Uhr. Ich gehe nicht zurück, sondern bleibe auf der N 630 bis nach Montamarta. Hier kann ich endlich den Asphalt verlassen und darf auf schönen Wegen gemütlich nach Moreruela pilgern. Dort finde ich nach 26,6 km eine schöne Herberge vor, in der ich sogar noch ein Menü del dia bekomme. Es ist Montag und am ganz späten Nachmittag mache ich mich auf den Weg in den Ort. Montamarta ist etwas Besonderes. Hier teilen sich die Via de la Plata in Richtung Astorga und der camino mozarabe in Richtung Ourense. Um 19.00 Uhr ist sogar noch ein ausgesprochen gut besuchter Gottesdienst. In der Herberge sind noch zwei spanische Fußpilger, die für mich unglaubliche Strecken pro Tag zurücklegen. 40 km ist wohl bei ihnen Minimum. Dann sind noch zwei spanische Radfahrer da, die ein Begleitfahrzeug dabeihaben. Der Autofahrer scheint mehr mitgenommen zu sein als die beiden Biker. Dabei haben sie doch an diesem Tag 130 km ab Bejar zurückgelegt.

28. Etappe: Granja de Moreruela - Tabara

Die beiden spanischen Fußpilger machen sich um 5.00 Uhr auf den Weg. Mir ist das zu früh. Ich starte gegen 6.45 Uhr. Die Strecke heute ist super, aber extrem schwer. Kurz vor der Brücke über den Rio Esla überholt mich ein mir wohlbekannter spanischer Geländewagen. Er hält an der Brücke. Also können die beiden Radler nicht weit sein. Ihr Fahrer hat den Auftrag, sie auf der Brücke zu photographieren. Leider können die beiden den schönsten Teil dieser Etappe nicht genießen. Gleich nach der Brücke geht es links in den Canyon hinein. Für Biker absolut nicht befahrbar. Auch als Fußpilger sollte man hier trittsicher sein. In Faramontanos mache ich Rast in einer Bar und treffe zu meiner Überraschung die beiden spanischen Fußpilger wieder. Sie brechen gerade auf. Dann kann ich nicht so langsam gewesen sein. Danach geht es wieder auf die staubige Piste in Richtung Tabara. Hier verlaufe ich mich, weil ich zu früh nach links abbiege. Dafür bekomme ich problemlos den Schlüssel für die Albergue und bin dann nach 29,4 km nach knapp sieben Stunden unter der Dusche. Mein Versuch im Dorf ein Menü zu bekommen scheitert. Ich gehe also in einen kleinen Laden und kaufe mir wenigstens eine Kleinigkeit.



29. Etappe: Tabara - Santa Croya

In den letzten Tagen war es richtig heiß, also stehe ich um 5.45 Uhr und bin um 6.20 Uhr auf dem Weg. Ich gehe gleich nach der Herberge noch vor dem Waschplatz links einige Meter querfeldein bis zur nahen Straße. Dort halte ich mich rechts und bei der zweiten Möglichkeit biege ich links ab. An einer Gabelung geht es halbrechts, später nochmals rechts bis zur N 631. Hier war ich nicht der einzige, der sich verlaufen hat. Im Halbdunkel biege ich links auf die Nationalstraße ab, was leider falsch war. Der richtige Weg geht geradeaus über die Nationalstraße hinweg auf eine Piste. Auf ihr geradeaus weiter bis zur Landstraße ZA 121. Nach einigen hundert Metern links und man ist wieder auf der von R. Joos beschriebenen Strecke. Dafür muss man nicht den ganzen Weg zurück ins Dorf, denn die Herberge liegt doch sehr ungünstig. In Bercianos del Valverde finde ich keine Bar, also weiter. Wier bereits gestern nerven mich fürchterlich Mücken. Irgendwann lasse ich mir etwas einfallen.



Mit diesem neuartigen Mückenschutz komme ich nach gut 5 Stunden bei Anita und Domingo in Santa de Croya an. Nach einem ausgiebigen Menü del dia spaziere ich am Nachmittag nach Santa Marta, weil ich ja bei Tageslich den wohl ältesten Jakobus Spaniens sehen möchte.



Am Nachmittag fahre ich dann noch mit Domingo und Claudia - einer niederländischen Pilgerin - zu einer neu eingerichteten Pflegestation für Esel und dann zu seiner Bodega.

30. Etappe: Santa Croya - Rionegro del Puente

Um 6.40 Uhr bin ich wieder auf dem Weg. Im Tal des Rio Tera gibt es wunderschöne Wege, teilweise direkt am Flussufer entlang, teilweise an Bewässerungskanälen, manchmal auch in Wäldern. Unterwegs treffe ich nochmals Miguel und Enrique. Wir hatten uns in den letzten Tagen regelmäßig am Abend in den Herbergen getroffen. Da sie weniger Zeit haben als ich, müssen sie heute eine längere Etappe laufen. Später geht es über die endlos scheinende Staumauer des aufgestauten Rio Tera und kilometerlang ein kleines Sträßchen entlang. Für meine 29,4 km brauche ich ca. 6,5 Stunden. Später kommen noch ein Spanier und Claudia und Ties. Mit den beiden Damen gehe ich am Abend in eine Bar zum Essen. Das absolute Highlight in der Pilgerherberge ist eine Münzwaschmaschine. Für 2 € kann ich endlich einmal wieder meine Klamotten vernünftig waschen. In einem von außen nicht einsehbaren Hof trocknet alles in Windeseile. Was will ich mehr?






31. Etappe: Rionegro del Puente - Palacio de Sanabria

Nach Palacio de Sanabria ist es recht weit. Am Ende des Tages messe ich 32,1 km. Ich breche also recht früh auf. Es sind viele kleine Pfade, die wunderschön zu laufen sind. Es gibt kaum Straßen. Ich wandere durch viele kleine Dörfer, finde aber keine offene Bar. Erst in Asturianos, 4 km vor meinem Tagesziel, finde ich eine Bar. Mir ist alles egal, ein cafe con leche geht immer! Die nächsten vier Kilometer sind meiner Meinung nach nicht für Biker geeignet. In Palacio de Sanabria komme ich nach guten sieben Stunden an. Wie erhofft komme ich bei Senora Teresa unter. Diesen Geheimtipp habe ich von Domingo aus Santa Croya. Nochmals vielen Dank! Später kommen auch noch Claudia und Ties. Teresa macht für uns drei ein super Abendessen. Mein Tipp: Wer die extrem langen Etappen nicht mag, macht Station bei Senora Teresa. Ich habe für mein Einzelzimmer inklusive Abendessen 25 € bezahlt. Da kann ich mich nicht beschweren.

32. Etappe: Palacio de Sanabria - Requejo

Am nächsten Morgen wird es etwas schwierig. Laut R. Joos ist eine Wegänderung geplant. Tatsächlich war es dann auch so. Nach der Autobahnbrücke geht es 300 m geradeaus und dann rechts, aber nicht auf den breiten Weg, sondern wenige Meter weiter auf den Trampelpfad. Auch wenn man im Wald dann glaubt, dass man falsch ist, kommt nach 400 m die Erlösung. Man sieht das erste Haus von Otero de Sanabria. Leider kommt man von der „falschen” Seite ins Dorf. Man muss also an der Stelle, wo man links einen Brunnen sieht, rechts in die Dorfstraße abbiegen. Auf ihr geht es durch das ganze Dorf, auch an der Kirche mit dem berühmten Höllenrelief vorbei.



Am Ortsende bin ich dann relativ unsicher, wie es weitergeht. Ich gehe nach Himmelsrichtung geradeaus weiter. Etwa 100 m nach dem Ortsende kommt von rechts dann die von R. Joos beschriebene alte Wegvariante. Bis kurz vor Puebla folgt dann ein angenehmer Weg. Die über 230 Stufen zur Kirche und zur Burg schlauchen allerdings bei der Hitze ziemlich. Oben angekommen stelle ich fest, dass sogar an einem Sonntagmorgen die Kirche geschlossen ist. Spanien wie hast Du dich verändert! Nach Puebla wird es brutal. Mein Thermometer zeigt knapp 40 Grad und ich muss zum großen Teil auf der Nationalstraße laufen. Ich versuche den Umweg, den R. Joos beschrieben hat, flüchte aber nach der Hälfte auf die Nationalstraße zurück. Der Weg ist total zugewuchert. Soll ich als Pilger noch eine Machete mitschleppen? Dann komme ich an der sog. St. Martinskirche vorbei. Laut Beschriftung und auch nach dem Kreuz auf dem Turm ist es aber eine Santiagokirche.



Das letzte Stück ist wieder ausgesprochen schön zu laufen, auch wenn ich glaube, dass Radfahrer hier nie durchkommen. Gegen 13.15 Uhr komme ich nach 27,0 km in Requejo an, genehmige mir sicherheitshalber erstmal ein Minimittagessen und gehe dann in die Herberge. Hier trifft mich der Schlag: ein dunkles, kaltes, feuchtes Loch. Ich flüchte mich in ein gegenüberliegendes Hostal. Dort kann ich wieder einmal ausreichend Körper- und Wäschepflege betreiben.

33. Etappe: Requejo - Lubian

Ganz früh am Morgen - noch im Halbdunkel - treffe ich ein für mich anfangs merkwürdiges Paar. Ich kann sie nicht einschätzen. Was sind sie: Spanier, Franzosen? Wie fast immer stellt sich hinterher heraus, dass sie ganz nett sind; sie ist Französin, er ist Spanier. Sie sind verdammt schnell. Dennoch hole ich sie nach etwa 1,5 km ein, da sie gerade eine Rast machen. Mein altes Problem: einige Pilger sind viel schneller als ich, brauchen dafür aber mehr Pausen. Ich laufe lieber stundenlang mein konstantes Tempo durch. Auch wenn die Etappe heute mit 24,3 km nicht besonders lang ist, hat sie es dennoch in sich. Es geht über den Padornelo. Der Weg am Anfang ist absolut grandios, super einsam und ganz tolle Gegend. Vor dem Pass muss ich eine Entscheidung treffen: über den Pass oder durch den Tunnel? Die Entscheidung fällt mir leicht. Pässe und Berge kenne ich aus den Alpen zur Genüge, aber wo kann ich in Deutschland über eine ganz tolle Brücke spazieren und dann durch einen Tunnel?






Gleich nach dem Tunnel gibt es eine Bar an der Nationalstraße. Ich genieße einen cafe con leche. Kurz darauf überholt mich ein spanischer Radpilger. Vor Aciberos kommt er mir wieder entgegen. Habe ich mich verlaufen? Sein Kommentar: „bicicleta no bueno”. Kurz nach Aciberos überholt mich ein deutscher Radpilger. Es folgt ein kurzer Plausch. Wir sind uns einig, dass mehr Warnungen für bike-untaugliche Strecken in die Führer eingearbeitet werden sollten. Er meint nur ganz trocken: „ Das muss ich mir nicht mehr antun!” Nach etwa fünf Stunden komme ich gut in Lubian an. Hier muss man den Schlüssel für die Herberge am anderen Ende des Dorfes abholen und dann wieder zurücklaufen. Von den beiden angegebenen zwei Hostals existiert offensichtlich nur noch eines, das wohl keinen Bedarf hat, Pilger aufzunehmen. Ein Restaurant oder eine Bar gibt es nicht am Weg, aber einen Laden finde ich. So kaufe ich zum Abendessen ein: Wasser, Wein, Brot, Schinken und Birnen.

34. Etappe: Lubian - A Gudiña

Heute steht der nächste Pass an, außerdem werde ich auf dem Pass dann auch Galicien erreichen. Etwa 2,5 km nach dem Aufbrechen kommt mir die Französin ohne Rucksack entgegen. Sie haben sich verlaufen. Sie sind am Heiligtum La Tuiza geradeaus weitergegangen und im Tal auf einen Bach ohne Brücke gestoßen. Dann laufen sie zum Heiligtum zurück und ein Stück parallel zur Autobahn, was auch richtig ist. Da es aber noch relativ dunkel ist, sieht man keine gelben Pfeile mehr. Also schickt der galante junge Mann seine Begleiterin zurück, um nach gelben Pfeilen zu suchen. Wenigstens bewacht er ihren Rucksack. Wir beratschlagen an der Kirche, dass der Weg an der Autobahn der richtige ist und finden bald darauf auch wieder einen Pfeil. In Vilevella suche ich eine Bar und finde nach einem Kilometer Umweg tatsächlich eine an der Nationalstraße. Die Kirche La Virgen de Loreto war leider wie fast alle anderen Kirchen geschlossen. In der Heidelandschaft folgt dann eine Begegnung der ganz üblen Art. Ich will gerade über eine 50 cm breite Notbrücke über einen Bach, als acht bis zehn Hütehunde eines Schafhirten mit vereinten Kräften auf etwas Hundeartiges losgehen. Ich bin ganz nahe an der portugiesischen Grenze und weiß, dass sich dort ein Reservat für Wölfe befindet. Sollte sich einer hierher verirrt haben? Nachdem der Einzelgänger vertrieben ist, kann ich mit Hilfe des Hirten passieren. Für die 26,3 km benötige ich etwa sieben Stunden. In A Gudiña gönne ich mir wieder ein kleines Hostal. Zu Essen gibt es Tortilla mit Salat und Bier.

35. Etappe: A Gudiña - Laza

Eine superlange Etappe liegt vor mir. Da die ersten Kilometer auf der Landstraße verlaufen, kann ich gegen 5.50 Uhr im Dunkeln los. Für Notfälle habe ich ja eine Micro-Taschenlampe dabei. In Venta de Capela wieder zwei bösartige Hunde. Wie üblich gehe ich meinen Stöcken auf einen los. Das reicht für beide. Bei Venda Teresa entschädigt dann der Blick auf den Stausee. Vor Campobeceros frage ich mich wieder, wie man mit einem Fahrrad diese Strecke meistern soll? In der Bar in Campobeceros werde ich trotz mehrmailgem lauten Grüßen nicht zur Kenntnis genommen. Abends erfahre ich, dass ich kein Einzelfall bin. Die Bar scheint mit der Pension Casa Nuñez identisch zu sein. Mir fällt daher die Entscheidung nach Laza weiterzulaufen leicht. Ich laufe also über Portocamba, das Pilgerkreuz und Eiras weiter stetig auf und ab. Die letzten 3,6 km vor Eiras und die nächsten zehn Kilometer geht es nur noch abwärts. Die Blicke zurück sind atemberaubend. Nach 37,1 km in etwas mehr als sieben Stunden komme ich in Laza an. Ich suche die Proteccion Civil auf, um mir meinen privaten Schlüssel abzuholen. Da ich in Galicien bin, gibt es jetzt in den Herbergen Festpreise von 3 €. Die Herberge ist ausgezeichnet. Am späten Nachmittag finde ich sogar noch eine Bar, wo man mir nach einiger Diskussion am Abend zu pilgergerechten Zeiten ein Menü del dia serviert. So langsam werden die Herbergen voller. In Santiago sagt man mir dann, dass die Zahl der „Kurzpilger” immer mehr zunehmen würde.

36. Etappe: Laza - Xunqueira de Ambia

Nach Xunqueira ist es wieder ein ziemlich langer Weg. Ich stehe also um 5.00 Uhr auf und gehe um 5.30 Uhr los. Beim Abzweig von der OU-113 holen mich zwei Pilger ein, die schon eine geraume Zeit mit Lampen hinter mir hergelaufen sind. Es sind Rui aus Chaves/Portugal und Raul aus Cadiz/Spanien. Wir gehen zu dritt weiter. Die beiden jungen Männer legen ein höllisches Tempo vor, insbesondere bergauf. Aber sie machen nach meinem Geschmack zu viele und zu lange Pausen. In Albergario kehren wir in der Bar Rincon de Peregrino ein. Wir gönnen uns ein gutes Frühstück. Luis lässt uns wie alle anderen Pilger auch eine Muschel unterschreiben und hängt sie auch gleich an die Wand.



In Vilar de Barrio machen wir eine endlose Rast. Raul geht es nicht gut. Ich glaube zuerst, dass er hier in die Albergue geht, aber er geht mit uns weiter. Unser ewiges Rasten wird jetzt gnadenlos bestraft. Es ist grausam heiß auf der Piste, die kilometerlang nur geradeaus führt. In Padroso treffen wir Don Bieito Ledo Cabito, Verfasser einer galicischen Universalenzyklopädie. Raul ist nach deutlich mehr als 30 km am Ende. Wir fragen Don Bieito Ledo Cabito, ob er ihn nicht in die Herberge bringen könnte, was dieser auch sofort bejaht. So laufe ich den Rest alleine mit Rui: ganz schmale kleine wunderschöne Trampelpfade ständig bergauf und bergab. Gegen 15.00 Uhr treffen wir nach 36,8 km in der Herberge ein. Wir finden Raul tief schlafend vor. Dummerweise müssen Rui und ich noch ins 1,5 km entfernte Dorf. Wir müssen uns anmelden und wollen auch etwas essen. Die Herberge hier macht auf mich einen sehr zwiespältigen Eindruck. Die Architektur ist hochinteressant, aber was soll eine Küche ohne jegliches Zubehör. Die sanitären Anlagen sind in keinem guten Zustand.

37. Etappe: Xunqueira de Ambia - Ourense

Um 5.00 Uhr stehen Rui und ich auf. Wir gehen zusammen um 5.30 Uhr los. Die Etappe nach Ourense ist zwar nur knapp 25 km lang, aber ich will die Stadt und die Kathedrale auch besichtigen. Mit uns sind drei Italiener aufgebrochen, die ich auch schon das eine oder andere Mal in Herbergen gesehen habe. Wir haben am Anfang große Probleme, weil unsere winzigen Lampen den schlechten Weg kaum ausleuchten. Als es dann endlich hell wird, haben wir bis Ourense nur noch Asphalt. Bis zu unserem heutigen Ziel brauchen wir 6 Stunden. Wir trennen uns. Rui geht in die Herberge, ich will endlich mal wieder vernünftige Körperflege betreiben und gehe ins Hostal San Candido ganz in der Nähe der Kathedrale. Wie vereinbart treffe ich mich mit Rui um 16.00 Uhr vor der Kathedrale. Wir besichtigen mit unterschiedlichem Interesse die Kathedrale. Ich bin beeindruckt vom Portico del Paraiso. Wir verabschieden uns voneinander, ohne zu ahnen, dass wir uns nicht wiedersehen würden. Rui will am nächsten Tag den östlichen Weg gehen, ich habe vor, die westliche Variante zu wählen.



38. Etappe: Ourense - Oseira

Eine relativ kurze Etappe steht mir angeblich bevor. So langt es, um 6.30 wegzugehen. Nach etwa einer Stunde verlaufe ich mich heftig. Wie sich hinterher herausstellt, ist den drei Italienern dasselbe Missgeschick passiert. Der Umweg kostet mich eine Stunde und vier Kilometer. Ich denke, macht nichts, dann sind es halt statt 22 km nun 26 km. Der Weg in Richtung Liñares ist aber fürchterlcih steil und macht bei den herrschenden Temperaturen keinen Spaß. Ich tröste mich irgendwie, dass ich als peregrino a pie wenigstens hier kein Rad hochschieben muss. Um die Mittagszeit komme ich in Cea an und finde relativ leicht die Herberge. Nun kommt der nächste Schock: die Herberge ist komplett vorbestellt und damit zu! Ein Hostal gibt es in Cea nicht. Drei ältere Herren schicken mich zum Sportplatz. Dort soll es eine Notunterkunft geben. Den Sportplatz finde ich, eine Notunterkunft nicht. Da tauchen die drei Italiener auf. Sie gehen weiter bis zum Monasterio Oseira, das sind noch einmal zehn Kilometer. Sie wollen dazu dazu die Landstraße nehmen. Das will ich mir auf keinen Fall antun und gehe den „Originalweg”. So komme ich wenigstens auf den nächsten fünf Kilometern in den Genuss von etwas Schatten. Nach 36 km komme ich gegen 15.00 Uhr in Oseira an. Hier komme ich doch noch zu meiner Notunterkunft. Die Patres stellen Pilgern einen Raum, ein Waschbecken und zwei Toiletten zur Verfügung. Immerhin haben wir ein Dach über dem Kopf. Später kommen noch die drei Italiener, Claudia und Ties. In einer nahegelegenen Bar bekomme ich zu Wucherpreisen eine Kleinigkeit. Am späten Nachmittag gönne ich mir noch die einstündige Klosterführung, gehe dann aber früh in meine Unterkunft.



39. Etappe: Oseira - Laxe

Zusammen mit den Italienern breche ich um 6.20 Uhr auf. Innerhalb der ersten fünf Minuten kann ich sie zweimal vor falschen Wegen bewahren, dann sind sie weg. Ich überlege, heute einen halben Ruhetag einzulegen und nur bis Castro Dozon zu laufen. Dort komme ich aber schon um 9.00 Uhr an. Das ist viel zu früh, ich laufe weiter. Sicherheitshalber decke ich mich an der Tankstelle am Ortseingang mit Esswaren ein. Schließlich ist Sonntag! 200 m weiter ist eine Bar. Dort treffe ich meine Italiener wieder. Ich gönne mir hier ein ausgezeichnetes Frühstück. Gegen 13.40 Uhr komme ich nach 31,4 km in Bendoiro an. Die Italiener sind schon da und klären mich auf, wo es ein Restaurant gibt. Für 10 € bekomme ich hier nach Tagen wieder ein ausgezeichnetes Menü del dia, sogar mit solomillo. Am Abend lerne ich in der supermodernen Herberge noch Geert kenn. Wir haben uns schon in Herbergen gesehen, aber ich laufe ja am liebsten alleine. Er ist Kollege aus Belgien: Religion und Kunst. Bisher hat er auf seinem Weg ca. 4000 Fotos gemacht.

40. Etappe: Laxe - Ponte Ulla

Meine italienischen Freunde wecken mich unabsichtlich um 5.30 Uhr. So stehe ich um 6.00 Uhr wieder auf der Straße. Es hat zum ersten Mal geregnet und es sieht auch im Moment nicht gut aus. Ich beschließe, im Dunkeln nicht irgendwo herumzuirren und den Weg zu suchen. Ich laufe auf der Nationalstraße bis Silleda. Die Autofahrer müssen mich für verrückt halten. In Silleda hat eine Bar offen. Es gibt das Übliche: 1 cafe con leche. Bis Bandeira bleibe ich auf der Nationalstraße und biege hier auf den Originalweg ab. Er ist zwar abwechslungsreicher, aber immer noch viel Asphalt. Kurz vor Ponte Ulla beim letzten langen steilen Abstieg eine Umleitung (=desvio). Es wird eine neue Schnellbahn von Santiago nach Ourense gebaut. Das heißt, dass in Ponte Ulla eine neue Brücke gebaut werden muss und dafür muss der schöne Weg leider für große LKW befahrbar gemacht werden. Der Originalweg war machbar, die Umleitung wahrscheinlich schöner. Allerdings hat man beim Umweg nicht den herrlichen Blick auf die alte Eisenbahnbrücke.



Interessant in Ponte Ulla ist außer der Brücke ein Relief des hl. Nikolaus von Bari, der drei jungen Mädchen hilft.



Nach 28,7 km in etwa 5,5 Stunden habe ich keine Lust mehr und gehe ins Restaurante Rio. Hier bekommt man auch sehr günstig ein Zimmer. Das Menü, das ich hier bekommen habe, war das beste seit Salamanca. Am Abend taucht noch Geert auf. Er würde eigentlich noch gerne bis Santiago durchlaufen, aber das Wetter ist wirklich sehr schlecht. Über 50 km bei Regen müssen nicht sein. Er geht aber noch etwa 5 km weiter bis zur nächsten Herberge. Wir vereinbaren uns für die Pilgermesse.

Letzte Etappe: Ponte Ulla - Santiago de Compostela

Mein letzter Tag auf dem Weg beginnt spät um 6.30 Uhr. Der Weg ist relativ abwechslungsreich. Nach 5 km bin ich bei der Herberge, es ist niemand zu sehen. Kurz darauf überhole ich eine Gruppe junger Spanier. Auch sie habe ich bereits mehrfach in Herbergen getroffen, aber meine Spanischkentnisse sind einfach zu schlecht. Unsere Konversation besteht in der Regel aus: „¿Qué tal?” „muy bien” und „¿Rui?” „no”. Wie in Galicien üblich regnet es zwischendurch. Als ich nach 23,2 km vor der Kathedrale stehe, scheint die Sonne. Da ich weiß, dass das Portico de la gloria restauriert wird, bin ich nicht geschockt als ich die Kathedrale betrete. Ich stinke zwar noch wie ein Pilger, mein Pilgerdasein ist aber eigentlich beendet. Unterkunft finde ich im Hostal Rodriguez in der Ruela do Pison.

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