Caminho Portugues 2016 - Informationen zu Jakobswegen

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Caminho Portugues 2016

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Caminho Portugues ab Lissabon mit der Küstenvariante von Porto über Caminha nach Valenca
Die Anreise nach Lissabon klappt wie erhofft. Auch die Fahrt mit der Metro vom Flugplatz geht ohne Portugiesisch-Kenntnisse ganz gut. Ich fahre zuerst mit der  roten Linie nach Sa Sebastiao, dann mit der blauen nach Terreiro do Paco und gehe dann den Rest zu Fuß. Nach Bezug meines Zimmers starte ich sofort zu meiner Besichtigungstour. Ich gönne mir eine kleine Tuktuk-Tour nach Belem. Am Nachmittag spaziere ich zum Parque dos Nacoes. Für den Rückweg nehme ich wieder die Metro.
Am zweiten Tag will ich einige Kirchen besichtigen. Ich treffe heute die erste Pilgerin: eine junge Finnin, die sich aber erst noch ein Credencial besorgen muss. Gegen 14.30 Uhr treffe ich sie ein zweites Mal. Sie ist glücklich, weil sie ihr Credencial hat und sich jetzt am Nachmittag auf die erste gut 30 km lange Etappe macht. Ich bekomme in der Kathedrale Se meinen ersten Stempel. Danach spaziere ich gemütlich durch Lissabon, laufe zur Burg hoch und fahre später auf den Triumphbogen am Praça do Comércio. Mir sind zwei deutsche Führer bekannt. Im einen beginnt der Weg in Porto an der Kathedrale, im anderen in Lissabon an der Kathedrale. In Lissabon an der Santiagokirche ist das folgende Bild mit der Inschrift "Der Weg beginnt hier" entstanden:
1. Pilgertag: Lissabon - Verdelha de Baixo  (35,7 km)

Über den Park der Nationen geht es die nächsten Kilometer immer am Tejo entlang. Von Sacavem bis Granja ist der Weg teilweise nur noch ein zugewachsener Pfad. Der Caminho biegt bei Granja an einer kleinen Brücke nach rechts ab; hier kann man über die Brücke nach links ins Dorf gehen und nach wenigen Metern einkehren. Auf der Straße geht es weiter nach Alpriate, wo es eine relativ neue Herberge gibt (geöffnet nach Aushang ab 14.00 Uhr). Danach ist der Weg offensichtlich verlegt. Wenn man dem Trampelpfad folgend wieder auf die Straße trifft, biegt man jetzt nach rechts in Richtung eines Tunnels ab. Der mir vorliegende Track wollte mich aber nach links schicken. Vor dem Tunnel geht es wieder nach links auf einen Weg. Gut gekennzeichnet folgt man den Pfeilen durch Povoa wieder zum Tejo und durch ein Naturschutzgebiet in Richtung Verdelha de Baixo. Der neue Weg ist deutlich länger als der alte, landschaftlich aber schöner. Im Alfa10 bekomme ich abseits des Caminho eine preiswerte Unterkunft.
2. Pilgertag: Verdelha de Baixo - Azambuja  (33,0 km)

Der Weg stimmt heute wieder nicht mit den mir vorliegenden Beschreibungen und auch nicht mit dem GPS-Track überein. Offensichtlich ist er mehrfach von der Straße auf kleinere Wege verlegt worden. Die Kennzeichnung war jedenfalls eindeutig. Zwei Stellen des Caminhos sind problematisch. Am Bahnhof in Vila Nova da Rainha überquert man die Gleise und muss dann durch ein Tor, das aber abgeschlossen war. Dafür war links des Tores der Zaun zum Bahngelände niedergerissen. Am nächsten Bahnhof war wieder ein verschlossenes Tor. Die Gitterstäbe waren aber soweit auseinander, dass ich mich gerade durchzwängen konnte. Laut Pfeilen war ich auf dem offiziellen Caminho! Heute treffe ich unterwegs die ersten Pilger: Graciano und Paulo aus Italien. Sie sind aber deutlich schneller als ich. In Azambuja bekomme ich in der Residencial Flor da Primavera eine günstige Unterkunft. Das Restaurant im gleichen Haus existiert nicht mehr.
Am späten Nachmittag finde ich die Kirche Santa Marta offen. Essen gibt es in einem kleinen Restaurant. Auch die beiden Italiener treffe ich in Azambuja wieder.

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3. Pilgertag: Azambuja - Santarem (33,6 km)

Nach einem zeitigen Aufbruch kehre ich nach etwa 10 km in Reguenga zu einem kleinen Frühstück ein. Nach weiteren 3 km gönne ich mir in Valada den nächsten Kaffee. Der Weg geht heute anfangs über kleine Wege und Straßen, die jedoch relativ autofrei sind. Schatten gibt es aber kaum. Bis Porto de Muge geht es weiter in Flussnähe. Dann geht es die nächsten 16 km wieder über Feldwege recht einsam nach Santarem. Kurz vor dem Ziel kommt mir ein großer Wagen entgegen. Miguel lädt mich in sein N1-Hotel in Santarem ein und erzählt mir stolz, dass dies sein Weg sei. Da ich schon vorher telefonisch im Santarem-Hostel gebucht habe, muss ich sein Angebot leider ablehnen. Dafür lädt er mich in sein Restaurant ein, das direkt am Weg liegt. Nach Bezug meines Zimmers begebe ich mich in Miguels Restaurant, werde dort aber als Kunde nicht wahrgenommen. Danach besorge ich mir in einer Apotheke ein Mittel gegen Mückenstiche und Blasenpflaster.
4. Pilgertag: Santarem - Golega (33,9 km)

Bevor ich Santarem verlasse, mache ich einen kleinen Abstecher zum Jardim das Portas do Sol und genieße von oben die Aussicht auf das Tal des Rio Tejo. Der Abstieg nach Ribeira de Santarem ist recht steil. Hier überquere ich zum x-ten Mal die Bahngleise. Die Häuser sind extrem dicht an die Bahnlinie gebaut. Über kleine Wege und Straßen geht es nach Vale de Figueira, wo ich zu einem Frühstück einkehre. Auch heute gibt es kaum Schatten und die Sonne brennt unbarmherzig. Da die Bauern ihre Felder permanent bewässern und auf die Feldwege keine Rücksicht nehmen, bekomme ich im Laufe des Vormittags eine Dusche von Kopf bis Fuß. Den Umweg über Pombalinho lasse ich aus und gehe geradeaus nach Azinhaga. Hier wurde 1922 der 1998 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete José Saramago geboren. Ich pilgere weiter nach Golega, wo ich mit zwei weiteren deutschen Pilgern im Casa da Tia Guida unterkomme. Die Preise scheinen hier variabel zu sein. Ich zahle dann für ein Dreierzimmer, das ich alleine beziehe, nur noch halb soviel wie telefonisch angekündigt.
5. Pilgertag: Golega - Tomar (30,7 km)

Der Weg ist heute anfangs so wie im Führer beschrieben. Das Wetter spielt mit.
In Sao Caetano mache ich einen kleinen Umweg zur Herberge, die etwa 80 m abseits des Weges liegt. Eine geöffnete Bar gibt es leider nicht. Einkehren kann ich erst in Atalaya, wo der Chef des Hauses ein schönes Deutsch mit starkem Schweizer Akzent spricht. Er hat dort knapp 20 Jahre gearbeitet und freut sich offensichtlich, wenn er seine Sprachkenntnisse anwenden kann. In Asseiceira kehre ich ein zweites Mal ein. Heute verläuft ein großer Teil des Weges auf Asphalt, was meine lädierten Fußsohlen bei der Hitze nicht sehr mögen. Vor Tomar ist der Caminho wohl verlegt, denn ich muss die Bahngleise nicht queren. Kurz vor dem Ziel treffe ich ein junges deutsch/italienisches Pilgerpaar.  Am Nachmittag kommen wir in Tomar an und beziehen unser Quartier im Hostel 2300Thomar, das günstig im Zentrum liegt. Im Hostel kann ich meine stinkenden Kleider wieder einmal richtig waschen. Danach gehe ich in die Kirche, die wegen einer Hochzeit tatsächlich geöffnet ist und anschließend zur Templerburg.
6. Pilgertag: Tomar - Alvaiazere (32,6 km)

Der Weg ist gut gekennzeichnet, verläuft aber einige Male nicht so wie beschrieben. Manchmal mit Theresa und Cristian, manchmal ohne pilgere ich bis Soiande. Die dortige Bar ist offen und so kann ich frühstücken. Das Cafe in Calvinos ist geschlossen. Eine Quelle o.ä. gibt es nicht. Auf den nächsten 25 km bis Alvaiazere gibt es keinerlei Möglichkeit einzukehren oder Getränke zu kaufen. Meine 2,5 Liter Wasser reichen gerade aus. In der recht neuen Herberge werden wir überaus freundlich empfangen. Hier bekommen wir zwei sehr schöne Stempel. Für ein Einzelzimmer zahle ich 10,- Euro; Frühstück gibt es für 2,50 Euro. Zum Abendessen gehen wir zu dritt in eine kleine Bar und zahlen zusammen für ein gutes und auch ausreichendes Essen einschließlich zwei Bier und Wein 19,15 Euro.
7. Pilgertag: Alvaiazere - Ansiao (14,7 km)

Nach einem gemeinsamen Frühstück brechen wir auf. Meine Füße sehen ziemlich mitgenommen aus; so gehen Theresa und Cristian mit schnellen Schritten voran. In Laranjeiras soll ein Cafe Ola sein. Das sehe ich nicht. Bis Ansiao gibt es somit keine Einkehrmöglichkeit. Dort treffe ich meine beiden Mitpilger wieder. Wir kehren kurz in einem Cafe ein und verabschieden uns. Meine Füße lassen eine längere Etappe nicht zu. Ich kehre im Solar da Rainha ein und versuche meine Fußsohlen zu pflegen. Hier kann ich auch gut und ausreichend zu Abend essen mit der Spezialität des Hauses zum Nachtisch: Pudin de Bolacha.
8. Pilgertag: Ansiao - Rabacal (17,7 km)

Ich starte heute gegen 6.00 Uhr mit dem "Erdbeermond". Über kleine Sträßchen, Wege und Trampelpfade ziehe ich unter permanent steigender Temperatur in Richtung Rabacal. Wie gestern stimmt mein GPS-Track nicht. Nach knapp 6 km kann ich beim Erreichen der Landstraße in der Tankstelle mit zugehörigem Cafe zu einem Frühstück einkehren. In Alvorge glaube ich fälschlicherweise, dass die Bar bei der Herberge ist. Die Albergue finde ich am Ortsende bei der Kirche, aber keine Bar. Im Zickzack geht es nun unter glühender Sonne bergauf und bergab weiter. Etwa 2,2 km vor Rabacal soll ich die EN-347-1 nach rechts zu einer großen Schleife verlassen. Meine Sohlen glühen und so gehe ich geradeaus weiter. Sogar die Kirche ist geöffnet und nach einem Anruf komme ich in der Herberge unter. Später kommen auch noch Graciano und Paulo. Paulo hat dieselben Probleme wie ich und ist heute schon mit dem Bus gefahren. Er meint: Ich habe keine großen Sünden, nur kleine. Warum sind meine Füße so kaputt?  Für ihn ist die diesjährige Pilgertour beendet. Ich will auf jeden Fall noch bis Coimbra kommen und dort eine Pause einlegen. Am Abend gehe ich in ein Restaurant. Für drei Schnitzel, Kartoffel, Reis, Salat, Wasser und Wein zahle ich 8 Euro.
9. Pilgertag: Rabacal - Coimbra (29,5 km)

Graciano überholt mich gegen 5.30 Uhr kurz nach meinem Aufbruch alleine. Paulo muss wieder den Bus nehmen. Bis 11.00 Uhr herrscht heute anfangs dichter Nebel, der sich dann aber auflöst. Um die Mittagszeit wird es wieder sehr heiß. In Conimbriga gehe ich ins Cafe Triplo Jota. Mein Versuch beim Colegio der Jesuiten anzurufen scheitert. In Cernache kehre ich ein zweites Mal ein. Dann muss ich wohl oder übel bis Coimbra durchlaufen. Hinter Cruz de Moncacos treffe ich einen deutschen Pilger in Gegenrichtung mit vollständig neuer Ausrüstung. Sein Rucksack ist beim Flug nach Portugal verschollen. Nach 8,5 Stunden komme ich in Coimbra an. Ich bekomme ein sehr günstiges Zimmer im Hotel Larbelo. Am späten Nachmittag besichtige ich noch diverse Kirchen z.B. San Tiago und San Bartolome. In einer kleinen Bar bekomme ich ein Menü für 6,5 Euro.
10. Pilgertag: Coimbra - Mealhada (25,5 km)

Gegen 6.15 Uhr mache ich mich auf den Weg. Kurz vor Ademia holt mich Alessandro ein. Wir müssen bis Trouxemil pilgern, um endlich ein Frühstück zu bekommen. Bis Mealhada kehren wir nicht mehr ein, dafür machen wir einen kleinen Abstecher zu einer Quelle. Den Umweg hätten wir uns aber auch sparen können. In Mealhada suchen wir vergeblich die Pensao Castela. Sie existiert nicht mehr. Am Ortsende teilen wir uns ein großes Zimmer in der Pensao Oasis. Bei der Stadtbesichtigung treffen wir noch Simone aus Germany und Margret und Robert aus Belfast.
11. Pilgertag: Mealhada -Agueda (26,5 km)

Um 6.00 Uhr teilt mir Alessandro mit, dass er Ausweis und Kreditkarte vermisst. Er vermutet, dass er sie gestern beim Bäcker verloren hat. Ich solle schon einmal voraus gehen. Nach ca. 8 km kann ich in Anadia zu einem Frühstück einkehren. Ich gehe dort nicht den offiziellen Camino, weil ich hoffe, im Zentrum leichter eine Bar zu finden. Die Hoffnung hat sich dann auch bestätigt. Hier ist sogar die Kirche Casa Santa da Misericordia offen, so dass ich dort ein paar Minuten der Meditation für mich alleine habe.  In Aguada de Baixo kehre ich ein zweites Mal ein. Kurz davor ist die kleine Kapelle Senhora de Via offen. Die beiden Iren treffe ich in Aguada wieder. Sie sind in einem Hotel untergekommen. Ich ziehe weiter in die Herberge Celeste. Später taucht Alessandro glücklich mit Kreditkarte und Ausweis auf. Er wurde in der Bäckerei schon erwartet. Das Abendessen gibt es in einem netten Restaurant direkt am Fluss.
12. Pilgertag: Agueda - Albergaria a Nova (22,1 km)

Die Herberge in Agueda liegt abseits des eigentlichen Caminhos und so gehe ich die ersten zwei Kilometer an der Nationalstraße bis ich zuerst an einem Kreisverkehr einen geschlossenen McDonald sehe und kurz danach eine geöffnete Bäckerei. Dann bin ich wieder auf dem offiziellen Weg. Wie so oft bisher wurde der Wegverlauf in den letzten Jahren wohl verändert. Insbesondere in Albergaria de Velha gibt es Abweichungen. Die Kennzeichnung des Caminho ist aber ausreichend. Ich kehre nochmals ein. Später kommen noch die Iren und Linda und Preben aus Dänemark in die Herberge in Albergaria Nova. Zum Abendessen gibt es zwei Menüs: mit einem Getränk 7 Euro, mit zwei Getränken 8 Euro. In der Herberge zurück schließt mich der dauerwellengelockte Pudel Mimi der Hospitalera Isabel in sein Herz. Vielleicht würde Mimi sogar mit mir auf den Caminho gehen?
13. Pilgertag: Albergaria a Nova - Sao Joao da Madeira (23,4 km)

Nach dem Frühstück in der Herberge marschiere ich um 6.15 Uhr mit Alessandro los. In Pinheiro gönnen wir uns ein zweites Frühstück. In Oilveira de Azemeis können wir in die dortige Kirche. Ansonsten pilgern wir nonstop bis Sao Joao da Madeira durch. Alessandro hat die Info, dass es dort eine Santa Casa Misericordia geben soll und er möchte dort übernachten. Alle anderen Pilger kennen diese Unterkunft nicht. Das Gelände ist heute hügeliger. Es gibt viel Asphalt und die Sonne brennt erbarmungslos. Auch in Sao Joao da Madeira gibt es ein reichhaltiges und preiswertes Abendessen.
14. Pilgertag: San Joao da Madeira - Grijo (mit Umweg 24,0 km)

Nach dem Frühstück zu viert um - für mich zu spät - 7.30 Uhr breche ich gegen 8.00 Uhr alleine auf, um die kurze Etappe nach Grijo zurückzulegen. Gegen 9.30 Uhr kehre ich in der Bar einer Tankstelle ein. Später treffe ich Linda und Preben bei ihrem 2. Frühstück wieder. Der Weg ist gut zu finden. Ich mache noch zweimal einen Kaffeestopp und erreiche gut gelaunt Grijo. Dort soll es etwas abseits des Weges eine Pension geben. Ein junger Portugiese erklärt mir den Weg: Unter dem Viadukt hindurch, an der Schule vorbei und dann noch 1,5 km. Nach 2 km ist immer noch keine Pension in Sicht und auf weitere Fragen erhalte ich diverse Antworten von: "Die Pension existiert gar nicht" bis "Bis zur Pension sind es noch sechs Kilometer". Ich kehre um und gehe in die Herberge von Grijo, was sich im Nachhinein als sehr gute Entscheidung herausstellt. Am Abend sind wir dort sechs Pilger in vier Zimmern. Es stellt sich dann später heraus, dass die Pension sehr wohl existiert, aber in der Karte eines englischen Führers absolut fehlerhaft eingezeichnet ist. Abends ist im Kloster ein schöner Gottesdienst. Der Pater freut sich sehr über die wenigen anwesenden Pilger, so dass wir noch eine kleine kostenlose Besichtigung erhalten.
15. Pilgertag: Grijo - Porto (18,3 km)

Ich möchte etwas Zeit in Porto haben und starte um 6.00 Uhr. Nach einer Stunde übersehe ich im Dunkeln einen Wegweiser und lege einige Extrameter ein. In Perosinho bekomme ich ein Frühstück. Dann ziehe ich - trotz Großstadtnähe - auf schönen Waldwegen weiter. Die Unterführung der A1 ist wegen einer Baustelle - offensichtlich schon länger - gesperrt. Die Umleitung ist gut beschildert. Am Ende der Umleitung erreiche ich die N1, die Avenida de Republica, biege links ab und pilgere schnurgerade immer den Metrogleisen entlang weiter Richtung Porto. Über die Brücke Ponte D. Luis I. erreiche ich schließlich die Kathedrale. Meine Unterkunft finde ich recht schnell, dusche, wasche meine Kleider, gehe essen und kaufe ein.
16. Pilgertag: Porto - Vila Cha  (26,1 km)

Ich bin zwar schon dreimal von Porto aus gestartet, aber der Küstenweg ist auch für mich neu. Die ersten Kilometer geht es immer am Douro entlang und so ist ein früher Aufbruch noch im Dunkeln kein Problem. An der Autobahnbrücke treffe ich eine etwas ratlose Pilgerin, die mich fragt, wie sie denn über die Brücke komme. Ich mache ihr klar, dass die Brücke, über die wir gehen müssen, erst in etwa fünf Kilometer kommt und dass wir nicht über den Rio Douro dürfen. Wir pilgern zusammen weiter. Am Ende von Porto gönnen wir uns ein kleines Frühstück in einer Bar. Der Weg ist relativ einfach zu finden: Immer am Meer entlang. Meine Mitpilgerin geht in Vila Cha in die Herberge, besorgt sich ein Credencial und pilgert noch weiter. Ich bleibe im Cafe Sandra, wo ich bestens unterkomme. Später kommt noch Simone. Zum Abendessen sind auch Linda und Preben da, die in der ganz neu eröffneten Herberge schlafen. Später kommen noch zwei Holländerinnen, die uns mit aktuellen Infos versorgen.
17. Pilgertag: Vila Cha - Esponende (31,6 km)

Um 6.00 Uhr starte ich und nehme die Variante, die direkt am Meer entlang führt. Nach gut 2,5 Stunden erreiche ich Villa do Conde und komme in den Genuss eines Frühstücks. Weiter ziehe ich nach Povoa de Varzim, wo ich im Pilgeroutfit an der langen Strandpromenade eher wie ein Exot wirke. Hinter Agucadoura wurde der Caminho wohl näher an das Meer verlegt. Dann muss ich vorläufig vom Meer Abschied nehmen. Nun heißt es auf engem, stark befahrenem Kopfsteinpflaster weiter zu marschieren. Den Campingplatz lasse ich links liegen. Dann kommt vor Apulia nochmals ein schönes Waldstück. Im Ort sehe ich keine Unterkunftsmöglichkeit; es soll aber eine Pension geben. Unter mittlerweile glühender Sonne pilgere ich weiter über Fao nach Esposende, wo ich im Mira Rio sehr gut unterkomme.
18. Pilgertag: Esponende - Viana do Castelo (27,1 km)

Zum ersten Mal ist heute Frühnebel, was das Laufen aber nicht beeinträchtigt. Am Anfang geht es über viel Asphalt und Kopfsteinpflaster. Ich erreiche die schöne Herberge in Marinhas, ziehe am frühen Morgen aber natürlich weiter. In Mar (Outeiro) sehe ich ein Schild "Cafe Olampao 90m": natürlich geschlossen. Ein Einheimischer sagt mir, ich solle dennoch hingehen, rechts abbiegen und wenige Meter weiter sei eine Bäckerei. So komme ich doch noch zu einem Cafe con Leite. Auf dem Caminho zurück hole ich Anna und Tatjana aus St. Petersburg ein. Die Santiagokirche im gleichnamigen Ort ist geöffnet. Wir bekommen unseren Pilgerstempel. Hier gibt es einen besonderen Service: Im Haus gegenüber gibt es Trinkwasser und Toiletten. Bei der Kirche Sao Joao treffe ich zwei junge Tschechen. Der Weg ist abwechslungsreich. Teilweise gibt es wunderschöne Waldwege, dann wieder hässliches Kopfsteinpflaster. Nach dem Überqueren der endlos lang erscheinenden Brücke erreiche ich mein Tagesziel. Am Nachmittag besichtige ich mit Anna und Tatjana die Basilika Santa Luzia auf dem Berg. Im Ort selbst sind zwei weitere Kirchen geöffnet.
19. Pilgertag: Viana do Castelo - Caminha (27,9km)

Heute ist mein letzter Tag am Meer, da ich von Caminha aus am Minho entlang nach Valenca möchte.  Wie üblich starte ich sehr früh, aber nicht im Zickzack durch die Stadt, sondern geradlinig. Am Anfang gibt es wieder viel Asphalt und es geht regelmäßig auf und ab. Nach etwa 8 km in Carreco lege ich eine kleine Rast ein, nach ca. 16 km in Ancora die zweite. Die Wege wechseln sich ab. Mal gibt es Kopfsteinpflaster, dann wieder schöne Waldwege. Ab Vila Praia de Ancora kann ich wieder am Meer laufen. Am Nachmittag kommt auch Simone. Abends gibt es Pizza beim portugiesischen Italiener. Auf der anderen Flussseite ist bereits Spanien.
20. Pilgertag: Caminha - Valenca (28,1 km)

Von Caminha nach Valenca gibt es einen beschilderten Caminho. Ich habe genug von Kopfsteinpflaster und suche mir meinen eigenen Weg. Bis Seixas bleibt mir nichts anderes übrig als den offiziellen Weg zu nehmen. Dann gibt es einen sog. Ökoweg (Ecopista), der sich bis Valenca hinziehen soll. An einer Stelle muss ich kurz zurück zur Nationalstraße. An einer zweiten Stelle hört der Ökoweg plötzlich auf. Es ist nur noch ein mannshoch zugewachsener Trampelpfad vorhanden. An einer Stelle muss ich ein tief eingeschnittenes aber ausgetrocknetes Bachbett überqueren. Hier wäre ich besser für ein paar hundert Meter zurück auf die Nationalstraße ausgewichen. Der eigentliche Ökoweg ist bestens beschildert und in erster Linie wohl für Radfahrer gedacht. Im ersten Teil gibt es allerdings keine Einkunftsmöglichkeit. In Campos gehe ich auf den Sportplatz, wo gerade die Bar geöffnet wird. An der mittelalterlichen Brücke bei Veira da Mira stoße ich wieder auf den offziellen Caminho und gehe weiter nach Valenca. Hier komme ich im pilgerfreundlichen Val Flores unter. Das in der Nähe gelegene Restaurante Coroa Verde gewährt mir bei Vorlage der Val Floreskarte 10 Prozent Rabatt. Am Nachmittag besichtige ich wie üblich die Stadt, kaufe kurz ein und lade die Akkus - auch meinen persönlichen.
21. Pilgertag: Valenca - O Porrino (20,8 km)

Nach Umstellen der Uhr starte ich heute erst um 6.45 Uhr spanischer Zeit. Um 7.00 Uhr überquere ich die internationale Brücke und bin nicht mehr auf dem Caminho, sondern auf dem Camino. Ich gehe den offiziellen Weg zum Fluss zurück und finde gegen 7.40 Uhr in der Nähe der Kathedrale von Tui eine offene Bar. Die Bedienung ist allerdings wirklich im Stress, weil hier sehr viele Pilger sind. Die Kathedrale ist natürlichgeschlossen, die nächste - Mosteiro San Domingos - aber geöffnet. Am Ortseingang von Santa Comba Ribadelouro gibt es rechterhand eine Freiluftbar. Wenige Meter weiter biegt der offizielle Camino rechts ab. Ich pilgere aber auf dem kleinen Sträßchen geradeaus weiter und folge grünen Pfeilen. Bei Telleira gelange ich wieder auf die neue Variante des regulären Camino. Kurz vor dem Ziel kehre ich einige Meter abseits noch in der Taberna Tia Maria ein. Weiter pilgere ich gen O Porrino, wobei ich nach der Autobahn den neuen schönen Weg entlang des Baches nehme. Dieser Weg führt ohne Umwege direkt zur Herberge. Zu besichtigen gibt es hier kaum etwas. Eine kleine Kirche ist offen. Ich finde eine Bar, wo es tatsächlich für 4,95 Euro ein Pilgermenue gibt.
22. Pilgertag: O Porrino - Arcade (22,8 km)

Wie üblich starte ich sehr früh, werde aber gleich nach dem Start durch eine sich schließende Bahnschranke ausgebremst. Nach der Durchfahrt des Güterzuges geht es endlich los. Die mir vorliegende Karte des englischen Führers ist wieder einmal ungenau. Der Weg ist aber gut gekennzeichnet. In Veigadana an der Herberge vorbei pilgere ich nach Mos, wo ich zu einem Kaffee einkehren kann. Hier treffe ich Timo, mit dem ich zusammen bis Arcade laufe. In Sajamonde/Redondela kehren wir ein und treffen Anna und Tatjana. Auf und ab geht es weiter, wobei einige Male gefährlich die Nationalstraße überquert werden muss. In Arcade melde ich mich bei meiner Unterkunft und erfahre, dass ich schon seit einer Stunde da sei. Ein Niederländer hat fast denselben Vornamen wie ich! Nach der üblichen Prozedur kann ich mich mit einer Empanada stärken. In Arcade sehe ich den jüngsten Pilger: er ist ein dreizehn Monate alte Österreicher und mit Mama und Papa unterwegs.
23. Pilgertag: Arcade - Pontevedra (13,6 km)

Ich gönne mir einen halben Ruhetag und pilgere nur knapp 14 km nach Pontevedra. Es geht wiederum bergauf und bergab, teilweise recht steil. Wegen der Kürze der Etappe macht das aber nichts aus. Heute ist es relativ kühl, so dass es einfacher ist zu laufen. Gestern sollen es - laut spanischem TV - 40 Grad gewesen sein. Die Herberge liegt äußerst ungünstig und so nehme ich mir zentral ein kleines Zimmer in einem Hostal. Wie es sich für einen Pilger gehört, gehe ich aber zuvor zur Virxe da Peregrina. Nach dem üblichen Reinigungsprozedere steht einer sehr ausführlichen Besichtigung einschließlich der Kathedrale nichts im Wege.
24. Pilgertag: Pontevedra - Caldas de Reis (22,6 km)

Seit Tui sind extrem viele Pilger unterwegs und so habe ich in Caldas de Reis sicherheitshalber reserviert. Daher kann ich ganz entspannt marschieren. Die erste Pause mache ich noch im Dunkeln in Pontevedra, wo die erste Bar nach der Brücke mir wirklich ein Frühstück bietet. Zuerst auf kleinen Sträßchen, später auf schönen Wegen ziehe ich nach San Marco de Portela. Hier kehre ich ein zweites Mal ein. Zu guter letzt kehre ich ein drittes Mal in Barro im Cafe Meson A Eira ein, wo ich mir sogar eine Tortilla gönne. Dann holt mich die deutsche Pilgerin Pia ein, die mich bis Caldas de Reis begleitet. Abends treffe ich bei einer Radler am Fluss noch zwei nette deutsche Pilger aus Dresden.
25. Pilgertag: Caldas de Reis - Padron (19,1 km)

Nach Padron sind es meist schöne Wege, auch wenn kurze Stücke an der Nationalstraße zurückgelegt werden müssen. Noch im Dunkeln holt mich Alberto aus A Coruna ein und pilgert mit mir einschließlich dreier Pausen nach Padron. Er bestätigt mir, was ich schon früher gehört habe: Kirchen sind in der Regel nur noch zu Gottesdienstzeiten geöffnet, weil gestohlen wird. Bei unserer ersten Pause in Santa Marina de Carracedo ist die Bar so voll, dass wir unseren Cafe con Leche im Stehen trinken. In der zweiten Bar in Virxe de Saude treffen wir Pia mit Kollegin. Am Ortseingang von Padron kehren wir nochmals ein. Alberto beschließt ganz kurzfristig, dass er heute noch bis Teo weiter pilgert. Mittags besuche ich sehr lange die Santiagokirche in Padron. Danach gibt es in einem kleinen Restaurant die Spezialität Pimientos de Padron.
Letzter Pilgertag: Padron - Santiago de Compostela (25,7 km auf neuem Weg)

Ich breche wie üblich im Dunkeln auf. Kurz nach meinem Aufbruch holt mich Michaela aus Budweis ein. Sie hat zwar eine tolle Stirnlampe aber keine Infos über den Weg. Unterwegs kehren wir zweimal ein und nehmen vor Santiago - unabsichtlich - den neuen Weg. Er ist landschaftlich sicher nicht schöner als der alte Weg und auch länger. Gegen 12.30 Uhr kommen wir im neuen Pilgerbüro an und müssen dort genau so lange warten wie im alten. Ich habe das Glück, dass ausgerechnet bei mir der Uralt-PC mit Windows XP zweimal abstürzt. Auf meine Frage, was das Problem sei, erfahre ich, dass die Dame Gerhard latinisieren soll. Ich biete ihr für die Compostela Gerardum an, was sie aber nicht glaubt oder auch nicht versteht. Auch ihre junge spanische Nachbarin kann sie nicht überzeugen. Nach ewigem Diskutieren akzeptiert sie doch Gerardum. Ich gehe in ein kleines Hostal und fühle mich nach dem Duschen nicht mehr als Pilger.
Santiago

Um 8.00 Uhr ist deutsche Pilgermesse. Sie ist total überfüllt, was selten vorkommt. Vor Jahren habe ich dort den Weihbischof Thomas M. Renz kennengelernt. Er ist auch heute wieder da und gibt mir Grüße an einen Pilgerfreund in Graz mit auf den Weg. In Santiago treffe ich zufällig Rudi, mit dem ich im vorigen Jahr den Camino Primitivo gelaufen bin. Die meisten Pilgerfreunde dieses Jahres treffen auch so langsam ein: Pia und Simone aus Deutschland, Alberto aus Galizien, Linda und Preben aus Dänemark.

Nach der Pilgerreise ist vor der Pilgerreise.Wenn alles klappt, bin ich in endlicher Zeit erst einmal Hospitalero. Der nächste Weg ist noch offen.
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